Vom 11. bis 13. September stand Wiesbaden ganz im Zeichen des Bogensports: Bei der Deutschen Meisterschaft Bogen im Freien trafen die besten Schützinnen und Schützen Deutschlands aufeinander. Bei bestem Wetter, spannenden Entscheidungen und hochklassigem Sport ging es um die begehrten Deutschen Meistertitel. Auch die württembergischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sorgten dabei für zahlreiche Erfolge.
Besonders im Fokus standen die Recurve-Schützen. Mit Jonathan Vetter (SGi Ditzingen) war auch einer der aktuell erfolgreichsten deutschen Bogenschützen am Start. Der Europameister von Antalya traf im Goldmatch auf seinen damaligen Teamkollegen Mathias Kramer (BSC Werlte). Gemeinsam hatten die beiden im Mai bei der Europameisterschaft in Antalya mit dem deutschen Team Gold gewonnen – nun standen sie sich im Kampf um den Deutschen Meistertitel gegenüber.
Vetter erwischte zunächst den besseren Start und gewann die ersten beiden Sätze. Doch Kramer kämpfte sich zurück und verkürzte auf 3:5. Nach einem umkämpften vierten Satz stand es 5:3, ehe Kramer im fünften Satz noch einmal ausglich und damit ein Stechen erzwang. Dort hatte Kramer schließlich die besseren Nerven: Auf Vetters Acht folgte eine Neun des Werlters, die ihm den Deutschen Meistertitel sicherte. Jonathan Vetter durfte sich damit über die Silbermedaille freuen.
Für Vetter gab es am Sonntag dennoch einen weiteren besonderen Moment: Gemeinsam mit seinen Europameister-Teamkollegen Charline Scheiding, Elisa Tartler, Mathias Kramer und Moritz Wieser sowie Co-Trainerin Antje Hoffmann wurde er für den historischen Erfolg bei der Europameisterschaft in Antalya geehrt. Erstmals in der Geschichte des Deutschen Schützenbundes hatten sowohl die deutsche Frauen- als auch die Männer-Recurve-Mannschaft den Europameistertitel gewonnen. DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels würdigte die außergewöhnliche Leistung und richtete zugleich den Blick auf das große Ziel Los Angeles 2028.
Auch in den Wettbewerben der Compound- und Blankbogenschützen gab es reichlich Grund zur Freude.
Jennifer Walter feiert ihren ersten Titel
Für Jennifer Walter (SV Weil im Schönbuch) ging in Wiesbaden ein besonderer Wunsch in Erfüllung. Die Kaderschützin gewann die Konkurrenz der Compound-Frauen und feierte damit ihren ersten Deutschen Meistertitel im Freien.
Im Goldmatch gegen Katharina Landrock (Treff Schimborn) setzte sich Walter souverän mit 143:138 durch. Nach einem zunächst ausgeglichenen Beginn stellte sie in der dritten Passe die Weichen auf Sieg: Während Landrock 27 Ringe erzielte, gelang Walter mit 30 Ringen eine perfekte Passe. Am Ende stand der Titelgewinn.
„Der Titel bestätigt, dass das, was man macht, nicht ganz falsch sein kann“, bilanzierte Walter. Nach einem für sie durchwachsenen Jahr war der Erfolg zugleich ein versöhnlicher Abschluss. Bronze ging an Sophie Wagner (SV Wechterswinkel), die sich gegen Julia Böhnke (TV Meßkirch) mit 139:136 durchsetzte.
Kaj Liebherr kämpft sich zum Titel
Auch Kaj Liebherr (SGi Ditzingen) durfte in Wiesbaden ganz oben auf dem Podest stehen. Im Wettbewerb der Compound Master Männer wurde er Deutscher Meister – und das trotz eines denkbar ungünstigen Moments.
Ein Schuss ohne Wertung ließ Liebherr zwischenzeitlich bereits an seinem Titel zweifeln. Doch statt den Wettkampf abzuhaken, drehte der Ditzinger auf. Mit starken 60er- und 59er-Passen kämpfte er sich zurück und sicherte sich am Ende mit einem Ring Vorsprung den Titel vor Sven Schmitz (SuSC Müllenborn). Christian Rohe (SC-U Germering) belegte mit einem weiteren Ring Rückstand Platz drei.
Diana Wiesner setzt ihre Erfolgsserie fort
Eine beeindruckende Serie setzte Diana Wiesner (BSV Ulm) im Blankbogen der Frauen fort. Die Titelverteidigerin gewann in Wiesbaden bereits zum dritten Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft – und insgesamt sogar zum fünften Mal.
Dabei baute Wiesner ihren Vorsprung insbesondere in der zweiten Hälfte des Wettkampfes deutlich aus. Am Ende lag sie 23 Ringe vor Julie Jakobs (Polizei SV Wengerohr) und Denise Hacheney (SSV Widerhold Singen).
Für Wiesner war der Erfolg alles andere als selbstverständlich. Als Titelverteidigerin sei die Anspannung vor einer Deutschen Meisterschaft immer besonders groß. Umso größer war die Freude, als der Titel endgültig feststand: „Ein überragendes Gefühl.“
Weitere Medaillen für Württemberg
Neben den Titelgewinnen von Jennifer Walter, Kaj Liebherr und Diana Wiesner gab es weitere starke Platzierungen. Udo Weyhersmüller (SGi Ditzingen) sicherte sich im Wettbewerb Recurve Master Männer die Bronzemedaille.
Erfahrungen im Wettkampffeld
Neben den sportlichen Leistungen waren auch zahlreiche Helferinnen und Helfer sowie Kampfrichter für den reibungslosen Ablauf der Deutschen Meisterschaft im Einsatz. Einer von ihnen ist Bogenreferent Andreas Böhm, der in diesem Jahr bereits zum fünften Mal die verantwortungsvolle Aufgabe des Leitenden Kampfrichters bei den Deutschen Meisterschaften übernahm. Mit seiner Erfahrung und seinem geschulten Blick für die Einhaltung der Regeln trug er gemeinsam mit dem gesamten Kampfgericht dazu bei, dass die Wettkämpfe unter fairen und professionellen Bedingungen ausgetragen werden konnten.
Erfolgreiches Wochenende in Wiesbaden
Die Deutsche Meisterschaft in Wiesbaden bot drei Tage lang Bogensport auf höchstem Niveau. Spannende Finalentscheidungen, zahlreiche Titelgewinne und die Ehrung der historischen Europameister machten die Meisterschaft zu einem besonderen Wochenende.
Aus württembergischer Sicht bleiben vor allem drei Geschichten in Erinnerung: Diana Wiesner setzte ihre außergewöhnliche Erfolgsserie fort, Kaj Liebherr kämpfte sich trotz eines Fehlers zum Titel und Jennifer Walter feierte ihren ersten Deutschen Meistertitel im Freien. Dazu kam mit Jonathan Vetter ein weiterer erfolgreicher Schütze aus dem Land, der neben seiner Silbermedaille auch für den historischen EM-Erfolg des deutschen Recurve-Teams ausgezeichnet wurde.
Damit bot die Deutsche Meisterschaft in Wiesbaden nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern auch zahlreiche besondere Momente für den Bogensport. (Textquelle: DSB)
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